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PROGRAMM

Das Festival startet am Donnerstag mit zwei Elektronikern und einem Pianisten: Mario Hammer, eine Entdeckung vom Kölner Traum-Label, präsentiert sein klanggewaltiges Album „L’esprit De L’escalier“, das er mit analogen Synthe-sizern produzierte. Ihm folgen der englische Fieldrecording-Experte Simon Scott und Wunderkind-Pianist Carlos Cipa, der sein zweites Soloalbum “All Your Life You Walk” vorstellt, auf dem er in weiser Voraussicht sanfte Beats mit Klavier kombiniert. Das ganze Leben ein Weg!

Am Freitag wird die Weisheit noch gesteigert: Zu Beginn des Abends wird der Amerikaner bvdub seine elektronisch erzeugte Musik, die beseelt und transzendent zugleich ist, via Liveschaltung per Internet nach St. Aposteln übertragen, bevor der junge, aber sehr talentierte, japanische Vibraphonist Masayoshi Fujita (Erased Tapes) mit seinem Instrument den Kirchenraum sanft in Schwingung bringt. Der Höhepunkt dieses Abends ist zweifelsohne der Auftritt von Hans-Joachim Roedelius. Mit 81 Jahren blickt er auf einen Erfahrungsschatz zurück, den andere Musiker kaum erreichen. Vor kurzem stellte er in der Lifelines-Reihe im Berliner HKW sein Lebenswerk vor: er ist Mitbegründer legendärer Bands wie Cluster und Harmonia, arbeitete mit Brian Eno und gilt als einer der einflussreichsten Musiker für die Experimental-, Elektronik- und Ambientmusik. Speziell für das 11. Ambientfestival konzipiert er am Bösendorfer-Flügel ein Set zwischen komplexem Piano-Klang und hypnotischen Loops.

Nach soviel Weisheit folgt am Samstag die Güte: mit dem Kompakt-Ambient-Shootingstar Max Würden, dem italienischen Modern-Classic-Komponisten Federico Albanese und dem gütigen, weisen Charlemagne Palestine, der die Tasten der großen Kirchenorgel mit Tüchern festklemmt und alle Register zieht. Aber der Reihe nach. Der Kölner Max Würden ist nicht nur langjähriger Besucher sondern seit 2015 auch Festival-Künstler, der den Klang der nächsten Ausgaben mitprägen wird. Er hatte im November sein Solo-Album RETOUR auf Kompakt und steht für die neue, Kölner Ambient-Generation. Der aus Mailand stammende Komponist Frederico Albanese hingegen ist erster Künstler des Labels NEUE MEISTER (Berlin Classics) und verfügt über ein Klangspektrum, dass von Orchestermusik bis Elektronik reicht. Nicht so der 68jährige New Yorker Charlemagne Palestine. Neben Terry Riley, Philip Glass und Steve Reich zählt er zu den Pionieren der Minimal Music und beendet das 11. Ambientfestival mit einer Schlingen-Blängen – Performance an der bombastischen Orgel der Basilika St. Aposteln, voller Weisheit und Güte!